Prämenstruelles Syndrom- mehr als schlechte Laune

Das Prämenstruelle Syndrom, kurz: PMS, ist bereits 1931 zum ersten Mal in der Fachliteratur erwähnt worden. Seitdem ist viel Zeit vergangen, es ist Forschung betrieben worden und Studien wurden durchgeführt. Warum also gibt es dieses Syndrom noch immer? Warum wird es in unserer Gesellschaft noch immer so belächelt?

Immerhin sind ca. 25% aller Frauen im gebärfähigen Alter von PMS betroffen, ca. 5 % von diesen betroffenen Frauen haben starke Beschwerden, zum Teil auch PMDS, eine schwere Sonderform des Prämenstruellen Syndroms.

Was sind die Symptome?

Es sind ursprünglich einmal ca. 150 verschiedene Symptome bei PMS erfasst worden, manche davon sind häufiger, manche seltener. Man kann sie nach Typen einteilen, was insbesondere für Therapeuten und Behandler Sinn ergibt, da man danach einen individuellen Therapieplan erstellen kann. Die Symptome des Prämenstruellen Syndroms können der Einfachheit halber auch in körperliche und psychische Symptome eingeteilt werden.

Einteilung nach PMS Typen: 4 + 2

Typ Name Symptome
PMS A Anxiety – Ängste Angst, Nervosität, Stimmungsschwankungen, Wut und Aggression und Reizbarkeit
PMS C Craving – Verlangen Appetit auf Süßes, Hungergefühl bis Heißhunger,

Müdigkeit, Abgeschlagenheit & Kopfschmerzen

PMS D Depression- Depression Weinerlichkeit, depressive Verstimmung, Schlafstörung, Lethargie
PMS H Hyperhydration-Wassereinlagerung Gewichtszunahme, Brustspannen, Wassereinlagerungen in Händen und Füßen
PMS O Others – Andere Andere Symptome als die hier aufgeführten
PMS T Total overall Syndroms- Gesamtsymptome Mischung der Symptome aus verschiedenen Gruppen

 

Einteilung in psychische und körperliche Beschwerden

 

Psychisch:

  • Reizbarkeit
  • Weinerlichkeit
  • Ängste
  • Gefühl der Überforderung
  • Überempfindlichkeit gegen Geräusche oder Berührungen

 

 

  • Beklemmungsgefühl
  • Stimmungsschwankungen
  • Übellaunigkeit
  • Depression
  • Mangelndes Selbstwertgefühl

 

 

 

Körperlich:

 

  • Kopfschmerzen bis hin zu Migräne
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Brainfog
  • Rückenschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Brustspannen
  • Überempfindliche Brust bis zu Brustschmerzen
  • Übelkeit
  • Blähbauch
  • Völlegefühl
  • Herzklopfen
  • Hautunreinheiten
  • Wassereinlagerungen in Händen und Füßen

 

 

Sonderformen des Prämenstruellen Syndroms sind die PMM und die PMDS.

PMM: Prämenstruelle Manifestation

Hat eine Frau chronische Erkrankungen, z.B. Reizdarm oder Beschwerden wie eine depressive Verstimmung, können sich die Symptome der Erkrankung in der Zeit vor der Monatsblutung verstärken.

PMDS: Prämenstruelle Dysphorische Störung

Ungefähr 3-8 % aller Frauen, die an PMS leiden, haben eine ausgeprägte Symptomatik im Sinne einer PMDS. Hierbei kommt es extremen Stimmungsschwankungen, plötzlichen Wutausbrüchen oder starken Depressionen.

Was sind die Ursachen für das Prämenstruelle Syndrom?

Obwohl das Prämenstruelle Syndrom schon so lange bekannt ist, gibt es keine 100% genauen Erkenntnisse darüber, was es auslöst. Trotz der ganzen Forschung und der bisherigen Studien dazu keine wissenschaftliche Erklärung? Wieso ist das so? Nun- ein Erklärungsansatz wäre die Vermarktungsfähigkeit der Erkrankung. Wenn Pharmakonzerne mit nur einem Medikament die Bedürfnisse der potenziellen Kundinnen lösen könnten und es dazu einen großen Markt (sprich: viele Betroffene) gäbe, würde sich die Erforschung und Herstellung eines Medikamentes lohnen. Aber hierfür sind die Symptome des PMS einfach zu variantenreich. Das System der weiblichen Hormone, sowie die begünstigenden Faktoren für die Entstehung von PMS sind schlicht zu komplex. Es ist nicht möglich dieses Problem mit nur einer Pille zu lösen.

Aber gut: kommen wir zu den Ursachen!

Die medizinische Fachwelt ist sich darüber einig, dass PMS mit den starken Schwankungen im hormonellen Kreislauf der Frau zusammenhängen muss. Frauen, die nicht hormonell verhüten, haben in ihrem Zyklus Schwankungen der Geschlechtshormone Östrogen und Progesteron.

Widersprüchlich sind die Forschungsergebnisse zu dem Hormon Prolaktin, welches vermutlich an über 100 verschiedenen Prozessen im Körper beteiligt ist. Viele dieser Vorgänge sind noch nicht genau bekannt.

Es kommt also auf die Balance dieser drei Hormone an, hauptsächlich Östrogen in der ersten Zyklushälfte und Progesteron in der zweiten Zyklushälfte. Die Symptome tauchen um den Eisprung herum oder auch danach auf. Sie verschwinden mit dem Einsetzen der Menstruation oder 2-3 Tage danach wieder.

Wieso geraten Östrogen und Progesteron aus der Balance?

Stress: durch negativen Dauerstress benötigt unser Körper mehr von einem Hormon mamens Cortisol. Da Cortisol bei hohem Bedarf aus Progesteron synthetisiert werden kann, nutzt der Körper bei andauerndem Stress Progesteron für die Cortisolherstellung → es kommt zu Progesteronmangel.

Schilddrüsenhormon: die Hormone der Schilddrüse beeinflussen den gesamten Körper, so greifen sie auch in die Synthese der Geschlechtshormone ein. Die Hypothyreose, also die Schilddrüsenunterfunktion, kann eine Erhöhung des Prolaktin-Spiegels zur Folge haben. Interessant ist, dass ein Zuviel an Östrogen die Hormonproduktion der Schilddrüse hemmen kann. Dies führt auf einem ungewöhnlichen Weg zu einer Schilddrüsenunterfunktion. Die Überfunktion der Schilddrüse, also Hyperthyreose, führt zu einer verstärkten Umwandlung von Testosteron (ja- auch wir Frauen haben Testosteron!) zu Östrogen, was zu Östrogendominanz führen kann. Das Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone führt zur Freisetzung von TRH (ein Hormon, welches im gesamten Körper aktiv ist), was wiederrum zu Prolaktin- Freisetzung führt.

Natur (Biologische Uhr): Ab ca. Mitte 30 haben wir Frauen immer wieder anovulatorische Zyklen, dass heißt, dass in diesem Zyklus kein Ei freigesetzt wird. Bleibt also ein Eisprung aus, fehlt in der zweiten Zyklushälfte das Prolaktin. Kurze Erklärung dazu: Aus der Eihülle wird in der zweiten Zyklushälfte der Gelbkörper gebildet. Dieser Gelbkörper bildet Progesteron, welches für die Einnistung des befruchteten Eis notwendig ist. Gibt es keinen Eisprung, gibt es keinen Gelbkörper, gibt es weniger Progesteron.

Entzündungen: Es ist nicht die Entzündung selbst, sondern die verschiedenen Stoffe, die der Körper bei Entzündungen ausschüttet, die den Hormonhaushalt durcheinanderbringen können. So führen Entzündungen im Körper zu Beeinträchtigung der hormonellen Kommunikation. Diese Kommunikation ist aber notwendig, um eine Balance der Hormone zu erhalten. Ebenfalls können Entzündungen Progesteron schädigen und direkt in den Östrogenstoffwechsel eingreifen.

Leber- und Darmerkrankungen: Diese beiden Organe sind wichtig für das Gleichgewicht der Hormone. Die Leber baut Hormone ab und der Darm transportiert sie nach außen. Ist die Leber durch Erkrankung oder Überlastung nicht in der Lage die Hormone zu verarbeiten, bleiben sie (hauptsächlich Östrogen) im Körper. So verhält es sich auch mit dem Darm, dieser kann durch eine chronische Darmerkrankung oder eine Dysbiose beeinträchtigt sein.

Endokrine Disruptoren: Damit sind alle Stoffe gemeint die man über Nahrung, Kosmetik, Umwelt und Plastik zu sich nimmt und die in irgendeiner Art und Weise in den Hormonhaushalt eingreifen.

Hormonelle Widerstandsfähigkeit: Neuere Forschungen und Studien weisen darauf hin, dass es eine genetische Komponente für PMS gibt. So wurden in einer kleinen Studie Zellen verschiedener Frauen auf ihre Reaktion bei hormonellen Schwankungen getestet. Heraus kam, dass die Zellen ganz unterschiedlich auf die Schwankungen reagieren können. Dieser Faktor spricht für eine familiäre, genetisch vererbte Häufung von prämenstruellen Beschwerden.

Übergewicht: Bei Übergewicht wird Östrogen in den Fettzellen produziert- es kommt zu einem Zuviel an Östrogen. Gleichzeitig nimmt man durch ein hohen Östrogenspiegel an Gewicht zu. Ein sehr ungünstiger Kreislauf entsteht, der es vielen Frauen deutlich erschwert abzunehmen.

 

 

Wie wird PMS diagnostiziert?

Üblicherweise kennen die meisten Frauen den Begriff des Prämenstruellen Syndroms und haben meist selbst schon einen Verdacht. In den Frauenarztpraxen wird oft über die Beschwerden gesprochen, ob man dann auch genügend Zeit findet über eine ursächliche Behandlung zu sprechen, ist ggf. fraglich. Aus meiner Erfahrung heraus geht ein solches Gespräch eher in Richtung: „dann nehmen Sie halt die Pille.“ Andere Konzepte werden leider gern außer Acht gelassen.

Gerätst du an eine/n Heilpraktiker/In für ganzheitliche Frauenheilkunde oder auch eine/n naturheilkundlich arbeiteten Frauenarzt/Frauenärztin, so hast du Glück! Man kann über eine ausführliche Anamnese, die in meiner Praxis auch mal 60 Minuten dauert, schon viel herausfinden. Wenn man es dann ganz genau wissen möchte, kann man über einen Speicheltest Hormone testen lassen. Ursachen wie Endometriose, eine Depression oder auch der Beginn der Wechseljahre sollten ausgeschlossen werden.

 

Was tun bei PMS?

Es gibt vieles, das man selbst tun kann um seine Beschwerden abzumildern oder auch ganz verschwinden zu lassen. Selbstverständlich gibt es auch einige Mittel, die Frau nehmen kann um ihre Hormone auszubalancieren oder symptomatisch zu behandeln.

  • Zyklusmonitoring dabei erfasst Frau nicht nur, wann sie ihre Menstruation hat und wann nicht. Es wird alles, was die Prämenstruellen Symptome beeinflussen kann, aufgeschrieben. Also Ernährung, Genussmittel, Bewegung, Stress und Schlaf. Dazu kommen die Symptome- wie geht es mir mental? Habe ich körperliche Beschwerden? So kann ermittelt werden was die Symptome verstärkt oder auch eher verbessert.
  • Sport insbesondere Ausdauersport führt zu einer besseren Durchblutung von allen Organen, was wiederum zu Funktionalität beiträgt. Durch Sport werden auch Endorphine (also unsere Glückshormone) ausgeschüttet, was Depressionen entgegenwirkt.
  • Ernährung und Genussmittel insbesondere in den Tagen vor den Tagen sollte Frau einiges beachten. So sind Zucker, Salz, Kaffee und Nikotin eher schlecht bei PMS. Hingegen ist eine erhöhte Zufuhr von Nüssen, Samen, Blattgemüse und Bananen sehr gut bei prämenstruellen Beschwerden.
  • Darm und Lebergesundheit sind wichtige Faktoren. Die Leber profitiert von Alkoholabstinenz, aber auch Medikamentenkonsum und Zucker sowie ungesunde Fette schaden der Leber. Unterstützen kann man die Leber durch genügend Bewegung, Gewichtsreduktion und Pflanzen wie z.B. Erdbeerblätter oder Mariendistel. Der Darm mag gern Ballaststoffe, genügend Flüssigkeit und eine ausgewogene Ernährung (hier gern Beeren, Haferflocken, Nüsse, Äpfel, Knoblauch). An Pflanzenstoffe gibt es für den Darm Flohsamenschalen, Curcumin, Myrrhe oder auch Heilerde. Allerdings kann man nicht pauschal sagen, „welcher Darm was braucht“. Hierzu sollte man sich fachkundliche Unterstützung holen. Der Darm mag keine Konservierungsstoffe, zu viel Zucker, keine Essenspausen und Weißmehlprodukte.
  • Stress insbesondere negativer Dauerstress beeinflusst den Hormonhaushalt und verstärkt die PMS- Symptomatik. Auch wenn man momentan Stress hat, kann sich das noch Wochen später auf die prämenstruelle Symptomatik auswirken. Frau sollte sich also fragen, wie sie ihren Alltag verändern kann, um Stress zu vermeiden. Ist eine genauere Planung förderlich? Kann sie Aufgaben abgeben? Sollten die persönlichen Ansprüche heruntergeschraubt werden? Wie wäre es mit Entspannungsübungen, Meditation oder Yoga?
  • Schlafmangel wird durch Blaulicht, also Computerarbeit, langes Auf-das-Handy-schauen oder auch Fernsehen begünstigt. Die PMS- Symptome können aber auch Schlafmangel begünstigen, wenn Frau beispielsweise unter Krämpfen leidet oder durch innere Unruhe nicht in den Schlaf kommt. Da sich beides gegenseitig begünstigt, sollte hier ein individuelles Konzept für gesunden Schlaf entwickelt werden. Dabei unterstützt das Zyklusmonitoring sehr gut. Weitere Faktoren könnten sein: Wann war die letzte Mahlzeit vor dem Zubettgehen? Wie lange und wann zuletzt habe ich ferngesehen, auf das Handy geschaut oder am Laptop gearbeitet? Vielleicht stört auch etwas an der Schlafumgebung? Handy am Bett, zu warme Bettwäsche? Zu wenig frische Luft? Auch ein paar Tropfen Lavendelöl auf das Kissen können sehr entspannend wirken und gut in den Schlaf begleiten.
  • Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente wie bereits gesagt, hat eine ausgewogene Ernährung positive Auswirkungen auf den Hormonhaushalt. Unser Körper benötigt diese Stoffe, um die Hormone zu bilden oder auch zu verarbeiten. Insbesondere die Zufuhr von Vitamin B 6, Magnesium und Zink (dieses sollte nach einer Mahlzeit eingenommen werden) kann eine PMS verbessern.
  • Pflanzen es gibt einige Studien zur Wirksamkeit von Phytotherapeutik. Der Mönchpfeffer (Agnus castus) hat sich in seinen positiven Auswirkungen auf PMS in diversen Studien bewiesen. Aber auch Pflanzen wie Traubensilberkerze, Frauenmantel, Schafgarbe oder Passionsblume haben ihre Erfolge in der Behandlung vom Prämenstruellen Syndrom. Die Indikation ist je nach Symptomatik unterschiedlich und sollte daher mit einer/einem Fachmann/Fachfrau abgeklärt werden.
  • Homöopathie : Es gibt diverse homöopathische Mittel, die als Komplexmittel oder auch als Einzelmittel in der Apotheke zu erhalten sind. Diese werden auch anhand der Symptome ausgewählt. Gute Erfahrungen habe ich in meiner Praxis gemacht mit Mastodynon und Passiflora Nerventonikum. Als Einzelmittel können Beispielsweise Bryophyllum, Natrium muriaticum oder auch Sepia eingenommen werden.

 

Ich hoffe du konntest aus diesem Artikel etwas für dich mitnehmen. Vielleicht kannst du bereits durch kleine Veränderungen in deinem Leben schon eine Verbesserung deiner PMS- Symptomatik spüren. Solltest du Fragen zu diesem oder anderen Frauenthemen haben, so scheue dich nicht, mir zu schreiben. Ich freue mich auch sehr über Kommentare zu diesem Artikel!

 

Quellen:

https://www.bvf.de/aktuelles/pressemitteilungen/meldung/news/praemenstruelles-syndrom-pms-und-dysmenorrhoe-die-last-vor-und-an-den-tagen/

http://pms-symptome.com/pms-typen/

https://link.springer.com/article/10.1007/s41974-018-0051-y

https://frauenaerztin-gruber.at/fileadmin/user_upload/pdf%20Dateien/Das_Pra%CC%88menstruelle_Syndrom_.pdf

https://medlexi.de/Hyperprolaktin%C3%A4mie

http://pms-symptome.com/pms-schilddruese/

https://www.autoimmunhilfe.de/ratgeber/hormonhaushalt-im-ungleichgewicht-symptome-arten-oestrogendominanz/

https://www.netzwerk-frauengesundheit.com/pms-koennen-sie-ohne-hormone-heilen/

 

 

 

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