Endometriose – Hab ich Gebärmutterschleimhaut im Kopf?

Was genau ist Endometriose?

Unter Endometriose bezeichnet man Zellhaufen, die sich außerhalb der Gebärmutter angesiedelt haben. Sie sind vom Aufbau her Gebärmutterzellen, die sich an verschiedenen Stellen des Körpers ansiedeln können. Meist finden sich die Endometriumherde im kleinen Becken, sie können auf der Gebärmutter, in der Vagina oder auch in oder auf der Blase wachsen. Jedoch gibt es auch seltene Lokalisationen der Endometriose wie z.B. in den Muskeln, der Leber oder eben auch im Gehirn.

Das Problem an diesen Herden ist: sie verhalten sich wie Gebärmutterschleimhaut. Mit jedem Zyklus wachsen sie und mit den absteigenden Hormonen im weiblichen Körper fangen diese Zellen an zu bluten. Dadurch kann es zu Verwachsungen, Verklebungen und Entzündungen, Zysten im umliegenden Gewebe kommen.

Wer ist betroffen?

In Deutschland sind etwa 12,1 % der Frauen zwischen 35 – 44 Jahren von Endometriose betroffen. Insgesamt sind es wohl 10-15 % der Frauen im sogenannten gebärfähigen Alter. Jedes Jahr gibt es in Deutschland etwa 40.000 Neuerkrankungen. Allerdings sollte man meiner Meinung nach bei diesen Zahlen folgendes bedenken:

  • Es gibt Frauen bei denen die Endometriose keinerlei oder nur wenige Beschwerden auslöst. Diese Frauen gehen selbstverständlich in die Statistiken nicht mit Wer keine Beschwerden hat, wird nicht untersucht, wird nicht diagnostiziert und fällt daher aus der Statistik raus. Es wird wohl auch eine Dunkelziffer in nicht bekannter Höhe geben.
  • Andererseits haben Frauen mit Beschwerden oft einen sehr langen Leidensweg hinter sich, bis sie endlich einen Namen für Ihre Symptome haben. Auch heute noch dauert es durchschnittlich etwa 10 Jahre, bis Frau richtig diagnostiziert und damit richtig behandelt werden kann. Wenn es also lange dauert, bis die Diagnose gestellt wird, kanns es durchaus sein, dass sie niemals gestellt wird. Schließlich ist die Endometriose, wenn überhaupt symptomatisch, nur so lange ein Problem, bis Frau sich in der Menopause befindet. Hören die monatlichen Menstruationsblutungen auf, ist meist auch die Endometriose kein Problem mehr. Es wäre also denkbar, dass eine langsam wachsende Endometriose spät Beschwerden verursacht und dann vor einer Diagnosestellung wieder aufhört symptomatisch zu sein.

Wieso siedelt sich Gebärmutterschleimhaut außerhalb meiner Gebärmutter an?

Die Wissenschaft hat dazu verschiedene Theorien; auch wenn die Erkrankung bereits 1860 von einem Wiener Pathologen erkannt und beschrieben wurde, ist sie nach wie vor ein Mysterium für die heutigen MedizinerInnen.

Gängig sind diese drei Theorien:

  1. Verschleppungstheorie: Diese besagt, dass es während der Menstruation zu einem Rückfluss des Menstruationsblutes in die Eileiter und damit in die Bauchhöhle kommt. Tatsächlich ist dieses Phänomen häufiger, als man annehmen würde. Allerdings erklärt es nicht, warum auch Frauen, bei denen von Geburt an keine Gebärmutter angelegt war, an Endometriose erkranken können.
  2. Theorie der Gewebeveränderung: Hierbei gehen die Wissenschaftler/innen davon aus, dass es bereits im Embryonalstadium zu einer fehlerhaften Programmierung von Zellen kommt. Sprich: Zellen die z.B. in der Leber angelegt sind, erhalten einen Bauplan für Gebärmutterzellen statt Leberzellen und werden dann im Laufe unseres Lebens aktiviert und tätig.
  3. Theorie der Endometrium-Krankheit: für mich ziemlich naheliegend ist diese Theorie, die davon ausgeht, dass die einzelne Endometriumzelle erkrankt Sie produziert zu viel eines bestimmten Enzyms, welches bei der Östrogenherstellung mitwirkt- hierauf steigt der Östrogengehalt in der Zelle. Daraufhin reagiert diese Zelle stärker auf hormonelle Veränderungen während des Zyklus. Auch für die Streuung bietet diese Theorie eine Antwort: bestimmte Strukturen auf der Zelloberfläche fehlen dieser Zelle, dadurch fehlt ihr die Bindung zu dem umliegenden Gewebe– sie geht auf Wanderschaft.

Welche Symptome können auftreten?

Abhängig von der Lokalisation der Endometriumherde sind auch die Symptome unterschiedlich, jedoch ist fast immer ein Symptom vorrangig- Schmerz.

Schmerzen während der Menstruation, in selteneren Fällen bis zur Ohnmacht, beeinträchtigen das Leben der Betroffenen zum Teil schwer. Die Pein kann so schlimm sein, dass die Frauen nicht arbeiten gehen können, private Veranstaltungen absagen müssen und auch die Partnerschaft kann darunter leiden. Bei einigen Frauen beschränkt sich das Leiden jedoch nicht nur auf die Zeit Ihrer Periode, ein quälender Schmerz zieht sich durch ihren Alltag und kann damit ihr Leben bestimmen.

Weitere Beschwerden können Schmerzen bei der Penetration sein, Verdauungsbeschwerden wie etwa Blähungen, schmerzhafter Stuhlgang und Durchfall. Auch die Niere, Blase und die Harnröhre können betroffen sein, hier kommt es zu Schmerzen beim Wasser lassen, Blasenentleerungsstörung und Nierenstau. Bei Wachstum an Nervensträngen kann es zu Nervenkompression und damit zu Taubheit und zu ausstrahlenden Schmerzen kommen.

Als wäre das nicht genug, kann sich Fatigue dazu gesellen, eine starke Müdigkeit, die sich nicht abschütteln lässt.

Nicht zu vergessen ist hier auch der Kinderwunsch; bei vielen Patientinnen stellt sich erst mit unerfülltem Kinderwunsch heraus, dass sie an Endometriose leiden. Oft sind die Eierstöcke oder Eileiter betroffen, es können aber auch durch Endometriumherde verursachte Verwachsungen im Bauchraum sein, die eine Schwangerschaft unmöglich machen.

Daher sind die psychosozialen Auswirkungen einer solchen Erkrankung nicht zu unterschätzen. Kann Frau durch ihre Beschwerden am Leben nicht wie gewünscht teilnehmen, bleibt sie möglicherweise ungewollt kinderlos, geht das nicht spurlos an ihr vorbei. Eine schwedische Studie ergab, dass Frauen, die mit Endometriose diagnostiziert wurden, ein erhöhtes Risiko haben, an depressiven Erkrankungen, Angststörungen oder stressbezogenen Erkrankungen, Alkohol- Medikamentenabhängigkeit oder ADHS zu erkranken.

Wie kann man Endometriose behandeln?

Es gibt aus der evidenzbasierten Medizin einige Verfahren, die angewendet werden; neben Hormon– und Schmerztherapie gibt es auch die Möglichkeit der Operativen Entfernung von Zysten und die Lösung von Verwachsungen und Verklebungen.

Die Natur bietet einige Kräuter, die entkrampfend, hormonregulierend oder auch ausgleichend wirken- hier wären Frauenmantel, Johanniskraut oder Weidenrinde zu nennen.

Als Prophylaxe bzw. Basistherapie sollten eine Ernährungsumstellung, Bewegung, Entspannungsübungen und eine Darmsanierung erfolgen. Angedacht werden sollten auch Gesprächstherapie oder eine Selbsthilfegruppe.

Betroffene finden mittlerweile gute Lektüre, Apps und Selbsthilfegruppen um sich zu informieren, sich auszutauschen und ihren Alltag mit Endometriose zu gestalten.

Zu Endometriose werden regelmäßig Studien an unterschiedlichen Forschungsstandorten in Deutschland durchgeführt.

Sehr vielversprechend scheint auch die EndoApp (in 12.21 noch in der Entwicklung/Zulassung) zu sein. Momentan kann Frau sich auf die Warteliste für diese App eintragen. Diese App beinhaltet Informationen zum Thema Endometriose, Anleitungen für Entspannungsübungen und Yoga sowie Ernährung. Sie soll laut den Machern wie eine Mini- Reha sein! Zukünftig soll diese App sogar von Ärzten verschrieben werden können- sehr spannend! Den Link zur App findet ihr hier:

https://endometriose.app/endo-app/

 

Quellen :

https://www.netdoktor.de/krankheiten/endometriose/

https://endometriose.app/endometriose-klassifikationen-rasrm-und-enzian/#toggle-id-1

https://www.researchgate.net/publication/327232993_Ovarian_endometrioma_Does_size_of_endometrioma_impact_the_therapeutical_strategy

https://www.lifeline.de/krankheiten/endometriose-id40441.html

https://www.welt.de/print-welt/article624983/Wenn-sich-Gewebe-aus-dem-Uterus-in-das-Gehirn-verirrt.html

https://www.endometriose-vereinigung.de/psychische-auswirkungen.html

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